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Geschichte

 

Vom „Radfahrer Club“ zur „Rad-Union Simplon St. Johann i. T.“




Bereits am 15.10.1894 nahm die Statthalterei in Innsbruck die Gründung des „ Radfahrers-Clubs in St. Johann i. T.“ zustimmend zur Kenntnis, der damals 30 Mitglieder zählte und von Leonhard Wurzenrainer geleitet wurde.      


Bereits am 15.10.1894 nahm die Statthalterei in Innsbruck die Gründung des „ Radfahrers-Clubs in St. Johann i. T.“ zustimmend zur Kenntnis, der damals 30 Mitglieder zählte und von Leonhard Wurzenrainer geleitet wurde.

Unter §2 der Statuten ist als Zweck des Vereines „ Die Verbreitung und praktische Verwendung des Radfahrens“ angeführt. „ Dies wird erreicht“:

a) Durch Aufstellung von Normen für die persönliche Sicherheit.
b) Durch Veranstalten gemeinsamer Ausflüge, Wettfahren und geselliges Zusammenwirken auf dem Gebiet des Sportes.

c) Durch Anlehnen an Vereinen (Clubs) gleicher Richtung.

Interessant ist auch der § 32 betreffend die Vereinsauflösung:

„ Das nach Berichtigung der Clubspassiven allenfalls noch erübrigende Clubvermögen hat der Freiwilligen Feuerwehr von St. Johann zuzufallen“.

Die den Statuten des „Radfahrer-Clubs“ angeschlossene Fahrordnung stützte sich wohl auf den St .Johanner Gemeinderatsbeschuss von 15.3.1891, der sich schon mit dem Fahrverhalten der Radler befasst hatte und in 9 Paragraphen auf die „allfällige Hintanhaltung von Unglückfällen durch den Radsport hinzielte“.

Darin heißt es:

§ 1) „Im Allgemeinen finden für Radfahrer die für andere Fuhrwerke geltenden Vorschriften sinngemäß Anwendung.

§ 2) innerhalb der Ortschaften und bei scharfen Krümmungen der Straßen ist eine gemäßigte Geschwindigkeit einzuhalten. Als solche wird die Kurbelbewegung im Schrittzeitmaße eines Fußgängers bezeichnet.

§ 3) Bei scharfen Krümmungen, sowie beim Begegnen oder Einholen von Fußgängern ist mit der an jedem Velocipede anzubringenden Alarmglocke ein deutlich vernehmbares, erforderlichenfalls wiederholtes Signal zu geben. Bei einbrechender Dunkelheit ist stets mit angezündetem Lichte in der am Velociped angebrachten Laterne zu fahren.

§ 4) Beim Begegnen von Treibvieh, Fuhrwerken oder Reitern hat der Radfahrer auf eine Distanz von 100 Schritten abzusitzen und sein Velociped sogleich derart zu versorgen, dass das Scheuwerden der „ Tiere“ möglichst vermieden werde.

Er darf erst dann wieder aufsitzen, wenn Fuhrwerke etc. vorüber gezogen sind.

§ 5) Beim Einholen von Treibvieh, Fuhrwerken oder Reitern hat der Radfahrer das Glockensignal erforderlichen Falles wiederholt zu geben, bis er von den Treibern resp. Kutschern oder Reitern bemerkt wird. Die letzteren haben sodann anzuhalten und den Radfahrer vorüber fahren zu lassen, wozu derselbe abzusitzen und mit möglichster Vorsicht vorbeizufahren hat. Er darf erst auf eine Distanz von 15-20 Schritten wieder aufsitzen.

§ 6) Das Fahren zu Zweien oder Mehreren in einer Stirnreihe ist nur bei genügendem Raume und wenn der Verkehr hierdurch nicht gestört wird gestattet; das Wettfahren von Radfahrern untereinander oder mit Fuhrwerk sowie überhaupt jede Gefährdung oder Belästigung des Publikums ist verboten.

§ 7) In engen Straßen und überhaupt an Orten, wo sich gerade eine größere Menschenmenge befindet, wie auf Märkten, vor Kirchen, Schulen, bei Prozessionen, Begräbnissen und dergleichen ist das Radfahren strengstens untersagt.

§ 8) Übertretungen dieser auf Grund des Par. 34 der tirolischen Gemeindeordnung erlassenen Vorschrift werden im sinne des Gesetzes mit Geldstrafen bis zum Betrag von 10 fl- eventuell bis zu 48 Stunden Arrest belegt.

§ 9) Jedermann, der sich wegen einer solchen Übertretung der vorstehenden Vorschrift seitens der Radfahrer beschwert erachtet kann beim Gemeindeamt Anzeige erstatten.“

In den Jahren bis zum 1.Weltkrieg traten dann die St. Johanner „Radler“ bei verschiedenen Anlässen und in beachtlicher Anzahl in Erscheinung.

Sogar im Rahmen der Feuerwehr stellte sich der „Radfahrer-Club“ freiwillig für den Feuerstaffettendienst zur Verfügung, wie aus der Feuerlösch-Ordnung 1898 der Gemeinde St. Johann ersichtlich ist.
 

Als Spitzensportler mit dem Rennrad profilierte sich damals der auch im Schilauf erfolgreiche St. Johanner Sepp Hellensteiner. Bereits im Jahre 1911 wurde er zweiter der Österreichischen Straßenmeisterschaft und Dritter bei „ Rund um die Gletscher“ und der Straßenmeisterschaft von Tirol und Vorarlberg. 1912 gewann er in Wien das Ausscheidungsrennen über 300 km für die in diesem Jahre in Stockholm abgehaltenen olympischen Spiele und erreichte dort, obwohl gesundheitlich nicht auf der Höhe, von 120 Teilnehmern den 34. Rang. Die österr. Mannschaft kam auf den 8. Platz. Hellensteiner war somit der erste Tiroler Olympiateilnehmer; daraufhin ging er 10 Jahre ins Profilager.
 


Ab 1922 war Hellensteiner dann wieder Amateurfahrer und erreichte im selben Jahr den 20. Platz bei der Straßenweltmeisterschaft in der Schweiz. Seine Karriere als Rad-Rennfahrer beschloss er im Jahre 1933 mit dem Sieg beim Rennen Innsbruck - Reutte - Innsbruck. (Entnommen der TT vom 27.5.1969)

Auch andere St. Johanner Radsportler waren in den 20er Jahren sehr erfolgreich. So z.B. Huber Ritter oder Hans Preck, der längere Zeit auch Obmann des Radsportvereines war und dabei die Nachfolge von Peter Höflinger angetreten hatte, der nach dem 1.Weltkrieg einige Zeit dem Verein vorstand. Preck holte sich dann 1927 den 1. Preis auf der Rennstrecke St. Johann- Melk und 1928 beim Rennen um die Kitzbüheler Alpen. An der 1927 durchgeführten „Sternfahrt nach München“ nahmen 16 St. Johanner teil, unter ihnen Sepp und Toni Haggenmüller, die heute noch von den verschiedenen Aktivitäten des damaligen Radsportvereines zu berichten wissen.

Nach dem 2. Weltkrieg gab es zunächst in St. Johann keinen Radfahrverein mehr. Einige Radsportbegeisterte schlossen sich daher vorübergehend dem Oberndorfer Radsportverein an, der 1954 schon bestand.

Erst 1955 kam es unter Roman Putzer und Robert Fuchs zur Gründung des „ARBÖ- St. Johann i. T.“, der aber 1975 zur „RAD UNION“ übertrat. Ab 1983 heißt der Verein“ RAD UNION SIMPLON St. Johann i. T.“. Abgesehen von 7 Jahre Obmannschaft durch Roman Puter war Robert Fuchs lange Zeit Obmann des Vereines. Auch Hans Moriggl gehört seit 1956 als Kassier bzw. Kulturwart zum ständigen engen Kader der „ RAD UNION St. Johann“. Die erste Clubmeisterschaft, welche Hans Poiger gewann, wurde im Jahre 1956 auf der Strecke St.Johann - Wörgl - Kufstein – Eiberg – St. Johann ausgetragen.

Das zweite derartige Rennen erfolgte 1957 auf der heutigen – damals erst teilweise asphaltierten – Weltcupstrecke (St. Johann – Schwendt – Kössen – Erpfendorf – Kirchdorf – St.Johann).

Neben den dann alljährlich ausgetragenen Clubmeisterschaften veranstaltete der Verein verschiedene Rennen mit nationaler und internationaler Beteiligung.

1968 schrieb die „ RAD UNION SIMPLON“ die österreichische internationale Senioren Radmeisterschaft aus, die um den Kalkstein führte. 110 Fahrer aus 9 Nationen nahmen daran teil.

Durch diesen Erfolg ermutigt, war dann der nächste Schritt die Abhaltung des 1. Senioren Weltcups im Jahre 1969, der mit 200 Rennfahrern in 4 Altersklassen ein Riesenerfolg wurde. 1970 kamen schon 250 Teilnehmer, 1971 über 350 in 5 Altersklassen – erstmals auch Starter aus den USA. Der österr. Teilnehmerrekord war zu dieser Zeit schon erreicht.

Als besonders wertvoll stellten sich von Anfang an die internationalen Verbindungen von Franz Baumann, ehemals Deutscher Meister, heraus, der gemeinsam mit dem Obmann Fuchs und Hans Moriggl sowie vielen freiwilligen Helfern in der Lage waren, die ersten Weltcuprennen vereinsintern erfolgreich abzuwickeln.

Bald erkannten die Marktgemeinde und der Fremdenverkehrsverband St. Johann die Bedeutung dieser internationalen Großveranstaltung und übernahmen die Kompetenz dafür. Der Verein selbst hat also jetzt lediglich die Streckensicherung mit ca. 50 freiwilligen Helfern und einige kleinere Aufgaben zu übernehmen.

Der Senioren-Weltcup, an dem seit 1977 auch Damen teilnehmen, hat alljährlich fast 2000 Starter aus rund 34 Nationen aufzuweisen.

Daneben kann die „ RAD UNION SIMPLON“ im Verein auf eine Reihe vorderster Plätze bei verschiedenen Meisterschaften auf nationaler und internationaler Ebene zurückblicken. Besonders zu nennen sind dabei Alois Bachler, Johann Jöchl (verstorben), Brandtner Christian und besonders der Österr. Jugendmeister 1964 Reinhard Haggenmüller und der Senioren-Landesmeister Robert Fuchs.

Im Gründungsjahr 1955 hatte der Verein 18 Mitglieder, 1987 waren es rd. 50, davon 3 Damen. 25 Mitglieder besitzen eine Rennlizenz.